Über menschliches Glück

 Kinder Herz klein

 

 

 

Zwei Glück

Wahres Glück und das Gefühl von Glück

Yamagishi Mi ozo

 

Es ist töricht in vorübergehendem Glück (Glücksgefühl) zu leben

Wenn wir auf die letzten paar tausend Jahre zurückschauen, so sind bis jetzt zahlreiche Helden, Weise und Heilige erschienen und haben alle Kräfte aufgeboten um den Frieden und das Glück der Menschheit der Welt herbeizuführen, aber der heutige beschämende Zustand wird gleichwohl noch fortgeführt.

 

Es ist wirklich eine unstabile Gesellschaft, eine Welt voller Fehler, Unzufriedene, Unglückliche bedrängen sich gegenseitig. Sie misstrauen sich, beneiden sich, hassen sich und streiten miteinander, es gibt unaufhörlich Konflikte.

Wieviele Dummköpfe enden wohl ihr Leben, Tag für Tag eifrig daran arbeitend ein Vermögen anzuhäufen, welches irgendwann verschwindet, mit anderen streitend, um eine hohe Stellung anzutreten, die sie irgendwann aufgeben müssen, des Lebensunterhalts wegen als Erzieher oder mit leerem Gemüt Sutras lesend, welche sie weder meinen noch selber verstehen und von der hohen Kanzel predigend?

Das Volk sollte durch das Volk regiert werden, wie soll eine gute Regierung entstehen, wenn man sie in die Hände von Staatsmännern legt, die auf Geld und Rang aus sind? Das sind grösstenteils falsche Lebenszustände und damit wird das stabile Glück auf keinen Fall herbeigeführt für uns sowie unsere Nachkommen, welche die Verlängerung von unserem Leben sind. Das ist wie ein Haus bauen auf einer zerfallenden Klippe oder in einem ausgetrocknetem Flussbett, welches bestimmt weggeschwemmt wird, oder dasselbe wie sich für einstweiliges Vergnügen mit Morphium, Opium oder Alkohol zu berauschen.

Heutzutage gibt es viele Leute die fest glauben, Glück sei die soziale Stellung, in noblen Häusern zu wohnen, alle Familienmitglieder gesund, eine Menge Vermögen und Ersparnisse zu haben und andere brauchen zu können wie es einem gefällt. Jedoch können sie sich nicht beruhigt freuen, weil in der Generation ihrer Kinder oder Enkel der Tag kommen mag, an dem sie umgekehrt klagen und trauern müssen.

Das Wort Glück wird in zwei Fällen gebraucht, auf diese Weise, ohne zu wissen, dass es irgendwann zerfällt oder von der Furcht begleitet, dass es weggeschwemmt wird, fest zu glauben, daß das zeitweilige Zufriedenheitsgefühl Glück sei, das ist vorübergehendes Glück, man meint bloss glücklich zu sein. Das nennt man "Glücksgefühl".

Kinder reicher Eltern verarmen zu Bettlern, die Wirtschaftsstruktur ändert sich und Grossgrundbesitzer verkommen zu armen Bauern, ein Leben lang mühsam als unterbezahlter Angestellter, erspartes Spargeld verwandelt sich in einem Sack Reis, tapfere Generäle mit goldenem Glanz, die ihr Leben eingesetzt und gekämpft haben im Gedanken, es sei für ihr Land und hohe Beamte, die zum höchsten Rang des Landes aufgestiegen sind, werden als Verbrecher an den Galgen gehängt und so weiter. Wenn wir an das Ende der Könige denken, deren Reichtümer und Macht unbeständig waren, so war es die Herrlichkeit eines momentanen, vergänglichen Traumes.

Dass wir unsere Kinder lieben und unsere Grosskinder noch mehr lieben als unsere Kinder liegt daran, dass unsere Nachkommen eben wir selber sind. Das kommt vom sozialen Zusammenhang und ist ein Ausdruck des instinktiven Verlangens ewig leben zu wollen. Wie sehr wir auch jetzt am gedeihen sein mögen, wenn wir darüber nachsinnen wie es in der Generation unserer geliebten Nachkommen sein werde, können wir da beruhigt sein und sagen, es sei Glück und dergleichen? Das sind alles nur Glücksgefühle für eine Zeitlang, Glück eines Traumes, das zu Kummer wird wenn wir erwachen. Sollten wir uns wohl darein schicken, dass nichts zu machen sei, weil seit alters her gesagt werde: "Glück und Unglück folgen dicht auf dicht", "das Leben gleicht nur einem Traum", "vergängliche Welt", "Jammertal" und in dergleichen? Gibt es wohl keinen anderen Weg? Ist dies wohl die richtige Gestalt des menschlichen Lebens? Wir können dem gegenüber mit „nein" antworten. Der Mensch ist sicher nicht so töricht.

Wir können selbst "das wahre Glück" ergreifen, welches sich nie verändert, solange es die Menschheit gibt.

Die unerschütterliche glückliche Welt, welche sich alle wünschen und die alle erreichen können, wird verwirklicht werden. Der Grund, weshalb sie sich bis heute nicht verwirklicht hat, liegt im Aufgeben, in der Gleichgültigkeit und in der Unwissenheit und daran, daß auch das, was dieses Problem betreffend schon reichlich untersucht wurde, abstrakt war und keine Methoden hatte oder bruchstückhaft, unvollständig und von niedrigem Niveau war. Das liegt in erster Linie daran, daß es viele Leute gibt, die nicht einmal wissen, was das so ausschlaggebende Glück ist, die es auch nicht wissen wollen oder die eine falsche Denkweise haben. Das ist wohl so, weil sie den Unterschied zwischen Glücksgefühl und wahrem Glück nicht kennen. Ist es nicht so, daß sehr viele Leute das Glücksgefühl mit echtem Glück verwechseln?

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Es gibt so viele von der (Glücks-) Gefühlsrasse

Man soll einmal probieren die Gesichter der Leute auf der Straße oder der Mitreisenden im Zug zu betrachten. Oder wenn man versucht, diejenigen eingehend zu untersuchen, die sich in Gala werfen und stolz sind mit dem Luxusauto daherzubrausen oder diejenigen, die Tag für Tag in den Zeitungen, Nachrichten usw. auftauchen, wofür sie sich rühren, wofür sie arbeiten, ob sie in dem Wissen und Bewußtsein leben, was wahres Glück ist, oder ob sie hastig ihr Brot verdienen, die Leute, die ohne dessen fundamentale Fragen zu lösen, sich freuen Gewinn gemacht zu haben, eine Persönlichkeit geworden zu sein und dann wieder betrübt sind, Verlust gemacht zu haben, die bis gestern gut befreundet waren und sich jetzt mit funkenden Augen feindlich gegenüberzustehen, oh je, die hier sind auch von der Gefühlsrasse, die da sind auch von der Gefühlsrasse, dieser Zustand ist so absurd und lächerlich, daß man es nicht mitanschauen kann. Wenn man bei anderen schaut, wenn man sich selbst beurteilt, geht es darum, stets auseinanderzuhalten, ob sie oder man selbst von der Gefühlsrasse ist, unter den Persönlichkeiten, die die Vergangenheit gefärbt haben und auch unter den heutigen Händlern, Bauarbeitern, Landwirten, Staatsmännern, Ärzten und auch den Priestern gibt es so viele Schwindler, ein ganzes Leben aus lauter Lügen und lauter Fehlern, es gibt so viele Narren, die ihr Leben enden, indem sie der flüchtigen Freude nachjagen.

Fest zu glauben, daß man es zu etwas gebracht hat oder daß man etwas für die Welt oder für die andern tut, oder auch Leute, die so zufrieden sind, daß sie glauben, daß niemand so glücklich sei wie sie, wenn man das gründlich erforscht und dessen Folgen nachgeht, dann wird es schließlich fragwürdig und man merkt, daß es ein Fehler war oder nicht mehr als vorübergehendes, vergängliches Glück, einfach Glücksgefühl war.

Es gibt nichts törichteres, als das menschliche Leben nicht wirklich zu kennen, sich selbst nicht wirklich zu kennen, die echte Lebensweise nicht zu leben, es ist in der Tat schade um das ganze Leben.

Es gibt beachtlich viele Leute, die von der Gefühlsrasse sind unter denjenigen, die sich äußerst freuen, zum Abgeordneten gewählt zu werden oder Minister zu werden oder die den anderen gegenüber stolz auftreten, wenn sie Geschäftsinhaber werden oder Direktor oder ein Vermögen anhäufen. Obwohl nebenan Bedürftige, Schwache und Kränkliche weinen, mit Gesundheit, Macht und Wohlstand ausschliesslich im eigenen Haus zufrieden sein zu können, das ist zu schamlos, es ist wie wenn man das traurige Schicksal, das morgen über das eigene Haus hereinbricht beglückwünscht und feiert. Selbst wenn der eigene Mann dem Tode entronnen vom Krieg zurückkehrt, gibt es so viele, die gestorben sind und nie mehr zurückkehren werden, wie kann man sich bloss freuen, wo es doch viele Familien gibt, die düstere, einsame Tage und Nächte verbringen?

Man soll gründlich untersuchen, was da im Herzensgrunde ist, wenn man sich grüsst mit den Worten 'ist ja gut, ging der Taifun woanders hin', obwohl in einer anderen Gegend gelitten wird wegen dem Unglück.

Ist es gut, wenn es einem gut geht, tut es einem nicht zusammen weh? Es scheint Bauern zu geben, die sich besser fühlen, wenn die Reispflanzen des benachbarten Grundstücks sich umlegen, aber sich zu irren, wie wenn man selber glücklich geworden sei, wenn man sieht, dass andere ins Unglück fallen und dergleichen, das sind auch Gewohnheiten der Gefühlsrasse, in gleicher Weise, wie man sich bekümmert, wenn jemand des eigenen Fleisch und Blutes vor Krankheit und Kälte zittert, entsteht nicht der Wunsch Pläne zu schmieden, dass irgendwie die Menschen von der ganzen Welt dem Unglück entkommen? Solange man nicht zum Gemütszustand kommt, in dem man die Schmerzen anderer als die eigenen empfindet und das eigene Vergnügen zum Vergnügen anderer wird, wird die richtige, echte, glückliche Gesellschaft nie eintreffen. Die feindschaftliche Gesellschaft ist kalt und in der Welt des sich gegenseitigen Beraubens, muss man sich stets sorgen, dass man irgendwann - ob in der Generation der Nachkommen - beraubt wird und in der Welt des sich gegenseitigen Tötens hat man auch Angst, daß man als Soldat in den Krieg eingezogen wird oder dass man zum Kampfplatz wird und getötet wird.

Mit der bisherigen, allgemeinen Denkweise meinen viele Leute, daß man glücklich werden kann, wenn es reich an Gütern wird, diese gerecht verteilt werden und wenn man gesund ist, aber auf diese Weise ist das wahre Glück noch sehr weit entfernt. Da kann man noch so sagen, dass es doch reich an Gütern geworden sei und selbst wenn sie gerecht verteilt werden, löst sich die Gesellschaft des sich gegenseitig Hassens und des sich feindlich Gegenüberstehens nicht auf.

Auch predigen seit langer Zeit Religionen oder Moralisten geistige Umwandlungen, sie bringen Leute, denen es nicht reicht, dazu dankbar zu sein, indem sie sich mit Leuten vergleichen, denen es noch weniger reicht, sie bringen sie damit, dass Armut und Krankheit eine Prüfung Gottes sei oder dass von einem Unglück heimgesucht zu werden eine Offenbarung Gottes sei usw. dazu Gott zu verehren; so die unwissende Masse in die Irre zu führen, das ist genauso selbstverständlich, dass die wahre glückliche Gesellschaft nicht verwirklicht wird, die tatsächliche gegenwärtige soziale Lage bestätigt dies. Wenn damit, dass Sachen, die man nicht versteht, mit Gott zurechtgelegt werden, das Paradies nach dem Tod mit Buddha vereinbart wird, mit Wortverdrehungen, Abstraktionen die keine Methoden haben oder mit Zitaten und moralische Argumenten das wahre Utopia entstehen würde, wäre das ein unerhörtes Wunder und wie sehr man auch versucht zu widersprechen, mit den Methoden und Argumenten bis jetzt war es nicht möglich es zu verwirklichen.

Müssen wir uns wohl nicht gerade jetzt erheben, um scharfe Selbstkritik und kritische Selbstbetrachtung zu üben, wofür wir uns Tag für Tag derart bemühen und arbeiten und uns vergebens abquälen, um das flüchtige, vergängliche Glück zu vertreiben, welches wohl früher oder später vergeht wie ein Traum, um so bald wie nur möglich zu erwachen von der jetzigen Torheit, sich berauschen zu lassen vom vorübergehenden Glücksgefühl und um das ewig unveränderliche Glück zu greifen und eine friedliche Welt aufzuziehen, die ewig gedeiht? Müssen wir wohl nicht sagen, daß gerade darin wahrhaftig unser Lebenssinn liegt, weshalb wir geboren wurden?

Januar 1955

 

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